Prolog: Sanfte Intervention

Blumige Worte werden keine gemacht. Überhaupt, wenige. Und wenn, neigen sie zur Wiederholung. Sag mir, wo die Blumen sind? Als rosarote Sträußchen hübschen sie das klassische Performanceschwarz der Intervenierenden auf. In vorbeieilende Hände gedrückt, stecken sie an respektive in oder auch zwischen Hutkrempen, Knopflöchern, Kameratragegurten, Dutts, Ohren und Brillenbügeln, zusammengepressten Fingerspitzen, Umhängetaschenwinkeln, Hosentaschen. Alle Viertelstunde wandern sie nicht nur aus den Augen in die Weiten der Ruhr-Uni, sondern nehmen das Schallwellensurfbrett ins Gehör der Anwesenden: mal verstreut im Raum, mal sich neu anordnend, singt dorisdean. Und hört wieder auf und verteilt sich neu und schweigt weiter.

Gibt es ein System dahinter, wer eine Blume bekommt? Muss sich das erschließen? Jedenfalls reagieren die Bedachten ohne System. Zwischen auf weite Sicht geschlagenen Umwegen, betreten zu Boden geschlagenen Augen, hastig geschlagenen Haken, wie aus der Hand geschlagen auf den Boden fallengelassenen Verteilobjekten, schlagartig freundlich-dankbarem Lächeln und semi-schlagfertigen interessierten Rückfragen (die die Performenden sacht lächelnd ignorieren) blüht ein ganzes Beet an Facetten auf. Halten sie inne? Zumindest bekommen sie einen Anlass geboten.

Keine rumpelnde Intervention, sondern eine sanfte feine, die sowohl den durch die Kaffeebar in oder aus der Mensa Hastenden als auch allen hier ihren Cappuccino Schlürfenden ein Angebot macht. Zum Gucken, zum Hören, zum, ganz klassisch, Weiterdenken. Sich nicht aufdrängend, aber doch: wunderbar präsent und in ihrer konsequenten Performance ganz unkompliziert auffordernd, die Fühler auch im Durchhastmodus auf Sensibilitätsstatus zu drehen. Wohin gehen all die Blumen? Vergänglichkeit oder blühende Hoffnungen oder irgendwas dazwischen? In jedem Fall: Ein angenehm uneindeutiger Prolog zum Zeitzeug_Festival.