„Verarbeite, was dich verarbeitet 2“

Ehrlich währt vielleicht nicht am längsten, aber doch eine Dreiviertelstunde. Und Möbelstücke aus Fritz-Kola-Kästen sind längst kein fancy Gimmick mehr, sondern eine als selbstverständlich integrierte Institution. Ganz klassich nutzt der Performer sie als körperliche Erhöhung und versammelt unsere Aufmerksamkeit, bevor er beginnt, Wind zu machen: um uns vor dem zu warnen, was kommt. Erst werden wir ein paar Filme zusammen gucken, dann Obacht weil Stroboskopichteinsatz, und dann zieht er sich aus. Also los.

Tommy Neuwirth hält seine Versprechen und präsentiert sie uns charmant als durchchoreografierte Performance, bei der er sich auf die punktgenauen Wechselwirkungen von Projektion, Tonspur und Live-Körpereinsatz verlässt. Ordnung muss schließlich sein, und sei es durch den Laubbläserich, der verantwortungsbewusst den Waldboden sauber pustet. Immer wieder gibt’s Zigaretten, eine genussvoll gedehnte Nächstenäheerfahrung (nur im Video, auch das Neuland ist selbstverständlich Nichtraucher_innenkneipe). Ein Lied gibt’s auch, gleich mehrfach. Es wird erzählt. Es wird der Performer in seiner Performerrolle besprochen – als scheinbare Kontrastierung zur gerade gemachten Seh-/Hörerfahrung, die sich aber kurz darauf selber ad absurdum führt. Tommy Neuwirth verquirlt eigenes und geklautes Material so liebevoll, dass man vom leisen Schmunzeln bis zum lauten Herauslachen bereitwillig die neugierigen Hände des Reaktionsschemas an sich anlegen lässt.

Hier wird gearbeitet und bearbeitet und schlussendlich konsequent verarbeitet. Das Ergebnis oszilliert irgendwo zwischen Gesamtkunstwerk in Blaumannbleu und lose (durch die Eingangsrede? durch den Performer als Person?) gerahmter Werk- und Anekdotenansammlung mit Spitzen und Elektrorauschen. Am Ende ist noch ein Weilchen in sich gehendes Schweigen im Dunkeln. Und Danke!