Wummernde Bässe dringen durch verschlossene Türen nach außen. Davor mit verschränkten Armen eine Gestalt in Ledermantel und Gasmaske. Ist das hier ein geheimer Technoclub? Oder schon der Hades, vom Wächter der Unterwelt bewacht? Wir werden vorerst jedenfalls nicht eingelassen, stehen draußen im Nieselregen und verspüren leichte Ungeduld, auch durch die aufziehende Kälte zu erklären. Dann die Erkenntnis: Orpheus beziehungsweise Orfeo ist einer von uns. Seine Stimme, die Eurydike zurückfordert, erklingt in unserer Mitte. Die Geliebte ist hier wie auch in der griechischen Mythologie sein Lebenssinn; ohne sie will er nicht sein. Aber wie sieht das Eurydike? Die ist zunächst verschwunden und mit unserem Eintritt ins Gebäude beginnt die verzweifelte Suche nach ihr. Wir werden von einer Ecke in die nächste geführt, immer wieder unterbrochen und beschimpft von einer Frau im Arztkittel. Orpheus behandelt sie wie einen nicht zurechnungsfähigen Pflegefall und hier werden entsteht zum ersten Mal der Eindruck, dass wir dem verzweifelt Liebenden durch eine psychiatrische Einrichtung folgen, aus der es kein Entkommen gibt. Ein rappender Pandabär schwächt diesen Eindruck zumindest nicht ab und wirkt entfernt wie eine Hommage an Wolfgang Herrndorf - der ließ sich selbst im Pinguinkostüm in die psychiatrische Klinik einweisen, in der das Stück uraufgeführt wurde.

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