Momentaufnahme: Sausengedanken

[Innerer Monolog des Erdmännchens ungeklärten Namens, vor dem Mikrofonständer, Bühnenecke, Die Trompete, Viktoriastraße, 12.11.15, zirka 22.58 Uhr.]

Wie üblich rockts mir nur im Rücken. Respektive, meine aufmerksamen Lauscher dürfen miterleben, wie die Bad Cooks hinter mir jazzig-funkig abgehen, und mir bleibt der nachlässig schiefe Blick schräg nach vorne durch die Mitte ins Auge: ja ja, ins Publikum. Wenigstens haben die sich alle mal hier runterbequemt, treppab treppab, ins atmosphärisch palettige Kellerloch. Sind doch gar nicht so wenige. Einigen hängen ein paar düstere Schatten um die Augen, aber lieber abends die Astrapulle in der Hand als die Champagnerdusche am Morgen auf dem heißen Blechdach, wie ich gerne sage. Obacht, jetzt fangen sie da hinten auch noch an zu tanzen!

Das wird ja immer wilder. Und ich bin wie üblich nur das Steiftier, das hier öffentlich rumlehnt. Denken wieder alle, ich sei ein Partymuffel. Da machste nix. Dabei gibt’s ja wohl nachher sogar noch diese Überraschungsaktion mit Geschenken und so, da hatte ich ja eigentlich vor, auch was abzustauben. Hoffentlich werd ich nicht vorher weggepackt, sonst hat sich das erledigt. Ich feier ja eigentlich gerne. Warte nur drauf, dass mich jemand zum Tanzen auffordert. Solange gucke ich halt lässig in die Gegend. Cool bleiben, auch wenn die Party heißer wird. Ein Drink wär auch nicht schlecht, also, was Schnabulierbareres als dieses Wasserplastikdings da neben mir, schon klar. Hab ja auch die Bar im Auge, da wär schon was dabei, schätze ich, aber laut Vertrag §6c darf der Maskottchenposten während des Auftritts nicht verlassen werden. Vielleicht dann später, wenns mit Mucke aus der Koserve weitergeht. Soll ja ne lange Nacht werden, da würd ich doch noch gern einsteigen, bloß: die Angst vor der Kiste, sie lässt mich nicht los. Plötzlich und unerwartet kann es vorbei sein, man wird ins Dunkle gesperrt und erst in Mülheim wieder rausgelassen; ihr könnt euch die Schrecken dessen in etwa vorstellen; ich spreche aus Erfahrung. Saust die Sause und genießt das Festival, so lange es noch heiß ist!