Performance „Im Orbit des Imaginären“

Kratzen, Rauschen, Knistern. Barfuß mit einer Art Stethoskop mit Mikro versehen in der Hand untersucht Performancekünstlerin Anja Plonka Leisten, Wände, Türrahmen und schlängelt sich im roten Kleidchen in Geheimagentin-Manier im Raum entlang. Was ist da am Schlüsselloch? Knack, zischsch, rrrrrtsch. Sie springt auf das Fensterbrett und fährt mit dem Stethoskop am Rahmen umher. Die Geräuschkulisse wird für das Publikum lauter, unangenehmer. Plonka bewegt sich sicher und zielstrebig im Raum, lautlos und mit festem Blick treibt sie Zuschauer auseinander und bahnt sich ihren Weg. Auch alle im Raum befindlichen Tische (bis auf der des Technikers) werden den Zuschauern buchstäblich unter den Armen weggezogen und untersucht. Als wolle sie den statischen Gegenständen Leben einhauchen, sie hörbar machen für das Publikum.

Sie nimmt einen großen Schluck Wasser und legt sich das Stethoskop an ihren Kehlkopf – glllluckk. Ein Stück Zucker mit langsamen Kaubewegungen zerkleinert – das unangenehme Geräusch extrem grobkörnigen Schleifpapiers auf Stein. Hier wird klar, Plonka will nicht den Gegenständen Leben einhauchen, sondern ihr Innerstes nach Außen kehren, das Imaginäre erfahrbar machen, für sich und ihre Zuschauer_innen.

Dies tut sie im Rahmen eines paradiesischen Settings. Dafür katapultiert sie ihre Performance mit Hilfe eines Fotoprogramms, das auf der Leinwand hinter ihr läuft, Bluescreen-like an einen Paradiesstrand inklusive wehender Plamen, plätschernder Wellen und goldenem Sonnenuntergang. So zerlegt sie die paradiesische Narrativik, indem sie im Bild immer mehr Tische und Stühle anhäuft, an denen sie sich zuvor körperlich abgerieben/abgearbeitet hat. „Unökonomische, undisziplinierte und herausfallende Bewegungen in den Orbit schicken“, will Plonka laut Programmheft. Weshalb sie dies im Rahmen der paradiesischen Narrativik tut, bleibt ungeklärt.

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